Bereits mehr als 600 Tote nach Sturzflut im Himalaya - Rettungskräfte kämpfen sich durch Schlamm
Drei Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya ist die Zahl der Todesoper weiter gestiegen. Nach Behördenangaben aus Nepal und China wurden bis Samstag 633 Tote geborgen, fast 3000 Menschen werden noch vermisst. Die Rettungs- und Sucheinsätze werden durch Schlamm, Geröll und Trümmer erschwert. Im Norden Nepals versuchten Hilfskräfte weiter unter Hochdruck, dutzende in einem Tunnel festsitzende Arbeiter zu befreien. Indien verstärkte unterdessen die Überwachung seiner Gletscher.
In Nepal meldete die Katastrophenschutzbehörde am Samstag 626 Todesopfer und 2426 Vermisste, darunter 517 Ausländer. Die staatliche chinesische Nachrichtenagentur Xinhua meldete bislang sieben Tote und 554 Vermisste in Tibet. Es gibt Berichte, dass einige Leichen von der Flutwelle möglicherweise bis nach Indien gespült wurden.
Unter den Vermissten sind laut der nepalesischen Tourismusbehörde mindestens acht Deutsche. Das Auswärtige Amt sprach von einer "hohen einstelligen Zahl deutscher Staatsbürger unter den Vermissten".
"Die Menschen wollen die Leichen ihrer Angehörigen zurückhaben", sagte der nepalesische Rettungshelfer Kawan Koirala erschöpft nach einer 18-stündigen Schicht. "Aber wir können sie nicht finden, man sieht ja den Schlamm". Auch für ihn sei die Situation "sehr traumatisch". "Ich sehe so etwas zum ersten Mal. Überall ist Schlamm. Wir hatten in Nepal schon früher Überschwemmungen, aber nicht so wie diese."
Viele der Überlebenden haben Angehörige und ihr gesamtes Hab und Gut verloren. "Alle Siedlungen in der Nähe des Flusses wurden weggeschwemmt", schilderte etwa Buddhi Ram Dangol der Nachrichtenagentur AFP. "Es ist nichts mehr übrig."
Am Mittwoch war eine gewaltige Welle aus Wasser, Schlamm und Geröll durch das Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet geströmt und hatte ganze Ortschaften mitgerissen. Nach Angaben des geologischen Dienstes der USA wurde die Katastrophe durch den Abbruch eines Gletschers ausgelöst. Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften schätzt die Zahl der Betroffenen auf 93.000 Menschen.
In Nepal bemühten sich Helfer weiter um die Rettung von mehr als hundert Arbeitern, die in einem Tunnel an der Baustelle eines Wasserkraftwerks eingeschlossen waren. Teams der nepalesischen Armee waren mit Bohrgeräten im Einsatz. Indien, das über Erfahrung mit solchen Rettungsaktionen verfügt, entsandte ein elfköpfiges Spezialistenteam. Auch China schickte ein neunköpfiges Tunnelrettungsteam zur Hilfe.
Die nepalesische Regierung rechnet unterdessen mit Kosten in Milliardenhöhe für den Wiederaufbau nach der Katastrophe. Außenminister Shisir Khanal sagte am Samstag, er bitte die internationale Gemeinschaft bereits jetzt um Hilfe. Das Wichtigste sei es zunächst, so viele Menschen wie möglich zu retten. Das Ausmaß der Katastrophe übersteige aber die Kapazitäten der Regierung. So seien Kühlmöglichkeiten nötig, um Leichen über längere Zeit zu lagern. Da einige Leichen bereits lange im Wasser gelegen hätten, bestehe die Gefahr einer schnellen Verwesung. Auch Gerichtsmediziner würden benötigt.
Indien verstärkt unterdessen angesichts des Unglücks die Überwachung seiner Gletscher. "Da wir als Nachbarland eine Grenze zu Nepal teilen und zudem eine ähnliche geografische Situation haben, haben wir unsere Behörde gebeten, alle Gletscher und bekannten Gletscherseen in der Region zu überwachen", sagte der Minister für Katastrophenschutz im indischen Himalaya-Bundesstaat Uttarakhand, Madan Kaushik. "Wir haben unsere Teams angewiesen, wachsam zu sein und zu beobachten, ob irgendwo im Bundesstaat eine ähnliche Situation entsteht", sagte er der Nachrichtenagentur AFP.
Die Gletscher im Himalaya, die fast zwei Milliarden Menschen mit Wasser versorgen, schmelzen aufgrund des Klimawandels schneller als je zuvor. Schmelzende Gletscher können Berghänge destabilisieren und das Risiko von Erdrutschen erhöhen.
袁-J.Pān--THT-士蔑報