Digitale Brieftasche d-you: Ausweis, Führerschein und Uni-Zeugnis in einer App
Führerschein, Personalausweis und Krankenkassenkarte in einer App - am 2. Januar will das Digitalministerium dafür das staatliche Angebot "d-you" freischalten. Minister Karsten Wildberger (CDU) stellte am Mittwoch Namen, Logo und erste Partner für die Umsetzung der digitalen Brieftasche vor. Perspektivisch sollen auf der Plattform viele weitere Dokumente gespeichert werden können, etwa Uni-Zeugnis, Gehaltsabrechnung oder Kundenkarte. Der Digitalverband Bitkom hofft auf einen "kräftigen Schub" für die Digitalisierung.
"Mit d-you entwickeln wir eine digitale Anwendung, die echten Mehrwert bietet, den Menschen in den Mittelpunkt stellt und Vertrauen schafft", erklärte Minister Wildberger. "Um d-you herum entsteht ein Ökosystem, das neue Anwendungen, innovativere Geschäftsmodelle und effizientere Verwaltungsleistungen ermöglicht."
Mit der d-you-App setzt das Digitalministerium eine EU-Verordnung um. Sie sieht vor, dass die 27 Mitgliedstaaten bis zum Ende des Jahres die Möglichkeit einer digitalen Brieftasche - der EUDI-Wallet - schaffen. EUDI steht für European Digital Identity. Nach Wildbergers Angaben soll dieses Angebot deutlich ausgeweitet werden und neben Behörden auch Unternehmen offen stehen.
Mit der App sollen sich Bürgerinnen und Bürgern gegenüber Behörden und Unternehmen identifizieren können. Firmen könnten die Plattform nutzen, um etwa Mitarbeiterausweise, Versicherungszertifikate oder Kundenkarten auszustellen.
Die erste Liste von 40 Partnerunternehmen und -organisationen, die laut Digitalministerium am 2. Januar mit eigenen Anwendungen der App starten wollen, ist breit gefächert: neben Behörden wie der Bundesagentur für Arbeit oder der Deutschen Rentenversicherung finden sich darauf Unternehmen wie die Post, Vodafone oder Rossmann, mehrere Universitäten, Landkreise und Stadtverwaltungen oder der Hamburger Verkehrsverbund.
Das Interesse von Unternehmen an dem staatlichen Angebot ist nach Angaben des Digitalverbands Bitkom noch deutlich größer. "170 Unternehmen haben bislang in einem von Bitkom und Bundesdigitalministerium initiierten Memorandum of Understanding zugesagt, die Technik in eigenen Angeboten nutzen zu wollen", erklärte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.
Der Verband hofft auf einen "kräftigen Schub" für die Digitalisierung in Deutschland, weil digitale Angebote für die Menschen mit der App "viel leichter nutzbar werden". Die digitale Brieftasche müsse "zum täglichen Standard werden, so wie wir das zum Beispiel vom elektronischen Bezahlen kennen", erklärte Wintergerst. "Dazu braucht es vor allem viele Anwendungsfälle mit echtem Mehrwert."
Einer im Frühjahr veröffentlichten Umfrage des Digitalverbandes zufolge ist das Interesse an der Bürgerinnen und Bürgern groß. Viele wollen künftig Ausweis, Führerschein und ähnliches digital mit sich tragen. Auch die Möglichkeit, Verträge und Formulare digital zu unterzeichnen, findet demnach Anklang.
Der Online-Dienstleister IDnow veröffentlichte in dieser Woche eine Umfrage, wonach für die Verbraucher die Sicherheit bei der Nutzung des Angebots entscheidend ist. Ein Großteil der Befragten äußerte demnach die Sorge vor Hacking oder Datendiebstahl, vor betrügerischer Nutzung der digitalen Brieftasche oder davor, dass Unternehmen darüber zu viele Daten sammeln könnten. Es brauche daher "eine transparente Steuerung" und eine "unabhängige Aufsicht", erklärte IDnow.
韓-L.Hán--THT-士蔑報